Tiermodelle

An der Forschungsstation Haidlhof arbeiten und forschen wir im Moment mit Keas, mit Kolkraben, Aaskrähen und Kunekune. Warum gerade mit diesen Tieren?

Es ist nicht verwunderlich, wenn man in der Kognition- und Intelligenzforschung eher schlaue Tiere als Modellarten aussucht. Als „intelligent“ bezeichnen Forscher die Fähigkeit Zusammenhänge erkennen zu können und Probleme zu lösen. Besonders schlaue Tiere haben dabei kein Schema, sondern können frühere Erfahrungen auf eine neue Problemstellung übertragen und vielleicht ganz neue Strategien dabei entdecken.

Kea

Der Kea (Nestor notabilis) ist ein Bergpapagei der in freier Natur ausschließlich auf der Südinsel von Neuseeland zu Hause ist. Er ist ca. 50 cm groß, hat eine oliv-güne Färbung mit der Ausnahme der Federn unter beiden Schwingen die ein leuchtendes Orange haben. Der Papagei hat einen langen, gekrümmten, grau-braunen Schnabel (zumindest der obere Teil) mit dem er gut Samenkörner knacken kann. Keas sind bekannt für ihre Intelligenz und Neugier, beides notwendig um in der rauhen Umgebung der Bergwelt zu überleben. Am Haidlhof leben zur Zeit 22 Individuen gemeinsam in einer riesigen, abwechslungsreich ausgestatteten Voliere, um so ihr Erkundungsverhalten und  Gruppengefüge zu unterstützen. Gleichzeitig ermöglichen kleinere Abteile die Tiere individuell zu testen. Dies erfolgt zum Beispiel an 2 Touchscreens die mit einem Computer und automatisierten Futterspendern verbunden sind, oder in einer Schalltotkammer mit Lautsprechern, um so ihre Wahrnehmung (akustisch und visuell) und Lernverhalten testen zu können.


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Kune Kune

Unterschätztes Hausschwein?

Die hier gehaltene Hausschweinrasse (Sus scrofa), genannt Kune Kune, ist seit über drei Jahrhunderten als Freilandrasse in Neuseeland bekannt. Sie ist relativ klein mit kurzen Beinen, haarig und mit rundlichem Körper und einer stumpfen Schnauze. Einzigartig sind die beiden piri piri (kleine Anhängsel) auf beiden Seiten des Unterkiefers. Die Tiere brauchen eine natürliche und vielseitige Umgebung um sich gut entwickeln und ihre Fähigkeiten in voller Stärke einsetzen zu können. Am Haidlhof werden zur Zeit rund 40 Schweine in Weidehaltung und natürlicher Gemeinschaft – drei Mütter und ihre Nachkommen – gehalten. Schweine sind sehr soziale Tiere. Sie pflegen Gemeinschaft, lernen voneinander und unterstützen sich gegenseitig. Die ForscherInnen beobachten systematisch das Verhalten von Hausschweinen und führen kontrollierte Tests mit Intelligenzaufgaben durch. Auch Stress und Wohlbefinden werden untersucht und die Ergebnisse ethisch reflektiert.

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Kolkraben

Die Strategen der Vogelwelt

Kolkraben (Corvus corax) sind geografische Kosmopoliten, deren Nahrung zu einem wichtigen Teil aus Aas besteht – eine hochwertige aber räumlich geklumpte Futterquelle. Dadurch konkurrieren Raben nicht nur untereinander, sie kommen auch Raubtieren bei deren Futtersuche gefährlich nahe. In beiden Fällen ist eine komplexe Wahrnehmung der Umwelt erforderlich. Die Fähigkeit zu taktieren erforschen wir in Kooperationstests, Lernaufgaben und Wissenstests über andere Raben.

Am Haidlhof leben die jugendlichen Vögel gemeinsam in einer Gruppe, die geschlechtsreifen Paare hingegen während der Brutzeit in eigenen abgetrennten Bereichen was dem sozialen Leben der Raben in ihrem natürlichen Lebensraum entspricht.