Ursprung der Intelligenz 

"Um Fragen menschlichen Verhaltens zu beantworten, müssen wir uns auch mit unterschiedlichen Tierarten beschäftigen", meint Tecumseh Fitch. Der Ansatz, menschliche und tierisches Verhalten zu vergleichen, versteht sich als Alternative zu jenen Richtungen der evolutionären Psychologie, deren Forschung sich nur auf die jüngste Vergangenheit des Menschen beschränkt.  Und doch interessieren sich Tecumseh Fitch, Thomas Bugnyar (beider Universität Wien) und Ludwig Huber (Veterinärmedizinische Universität Wien) auch für eine Fähigkeit, die uns Menschen auszeichnet: die Sprache.

 

Erforschung der kognitiven Evolution

Der vergleichende Ansatz führt zu neuen Erkenntnissen: Die Kognitionsbiologen richten ihren Blick zunächst darauf, welche Merkmale bei welchen Arten vorzufinden sind. Interessant sind hier nicht nur Verhaltensmerkmale, sondern auch genetische Daten und Informationen über das Nervensystem. So wird ersichtlich, welche taxonomischen Einheiten (z.B. alle Wirbeltiere oder nur Säugetiere) sich bestimmte Fähigkeiten teilen und wann sich diese entwickelt haben könnten. 

 

Sprache und soziale Kognition

Von der Gemeinsamkeit zur Differenz: Menschen können sprechen, Tiere nicht. Trotzdem wird die Evolution der Sprache greifbarer, je intensiver man sich mit dem der Tiere beschäftigt. Fest steht, dass die zugrunde liegende Fähigkeiten von "Sprache" und "sozialer Kognition" eng miteinander verbunden sind. Um sprechen zu lernen, muss ein Kleinkind unter anderem imitieren können und verstehen, welche Intentionen mit dem Gesprochenem verfolgt werden. Ist das Sprechen erst einmal erlernt, so verfügen Kinder über ein besonderes Mittel, Gedanken auszutauschen und voneinander zu lernen. 

 

Warum Tiere nicht sprechen

Manche Tiere verfügen über ähnliche Fähigkeiten und haben dennoch keine Sprache. Warum das so ist, wurde insbesondere bei Schimpansen - den nächsten verwandten des Menschen - erforscht. Die vorherrschende Hypothese ist, dass anatomische Merkmale (Kiefer, Zungenstellung, etc.) es unmöglich machen, Sprache zu entwickeln. Fitch stellt diese Theorie in Frage: " Wir haben uns genau angesehen, was Tiere machen, wenn sie vokalisieren. Da gibt es wenig Unterschiede zwischen Hunden, Affen und Menschen." Wahrscheinlicher ist, dass direkte Verbindungen zwischen dem Motorcortex (ein Bereich der Großhirnrinde) und dort angesiedelten Neuronen - sie kontrollieren die Stimme - ausschlaggebend sind. Singvögel (komplexer Vogelgesang) und Papageien ("sprechender Papagei") verfügen über eine solche direkte Verbindung. Die Publikation wurde 2010 in NEURON veröffentlicht. Tecumseh Fitch, Ludwig Huber, Thomas Bugnyar: Social Cognition and the Evolution of Language: Constructing Cognitive Phylogenies. 

 

 

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Ursprung der Intelligenz

Die Wissenschafter Fitch, Bugnyar und Huber gehen dem evolutionären Ursprung von kognitiven Fähigkeiten mit einem vergleichend biologischen Zugang auf den Grund. 

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Vögel haben mehr Neuronen in kleineren Gehirnen

Gehirne von Singvögel und Papageien haben eine große Anzahl von Neuronen, die neuronale Dichte geht deutlich über jene von Säugetieren hinaus.

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